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Veranstaltungen 2015

3. bis 4. August 2016 (127)
Sommer-Kunstreise nach Berlin und Potsdam
47 Kunstfreunde machten sich am 3. August frühmorgens zu einer zweitägigen Kunstreise auf, zunächst nach Berlin und Potsdam, im Bus von Möller´s Reisedienst, von Herrn Schröter sicher geleitet. Während der Fahrt bereitete uns Herr Prof. Wolf, der diese Reise wieder eingehend geplant und organisiert hatte, durch Lektüre über spanische Geschichte und das Kunstschaffen im 17. Jh. auf die Ausstellung El Siglo de Oro – Die Ära Velázquez vor, die wir in der Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin besuchen wollten. Während Spanien zu jener Zeit nach und nach seine Stellung als politische Großmacht einbüßte, gelangte die spanische Kunst zu reicher Blüte. Künstler wie El Greco, Zurbarán, Velázques oder Murillo schufen ihre Werke, und man spricht vom „Siglo de Oro“, dem „Goldenen Zeitalter“ der bildenden Kunst in Spanien.
Zunächst empfangen den Besucher der Ausstellung zwei hohe Gemälde von Domenikos Theotokopoulos, gen. El Greco. Das eine, Maria immaculata, aus Toledo, zeigt Maria im leuchtend blauen Gewand, wie sie, umgeben von rot und gelb gekleideten Engeln, bereits in der bläulich wolkigen Himmelssphäre dem Licht entgegen schwebt. Nur ein Fünftel des Bildes lässt noch die grüne Erde erkennen sowie einen Rosen- und Lilienstrauss als Symbol der Unberührtheit Mariens. Das andere Gemälde, Der heilige Martin und der Bettler, aus Washington, stellt den Heiligen dar (Abb.1), der sein Manteltuch zerschneidet, um es mit einem Bettler zu teilen. Martin und der nackte Bettler sind beide als schöne schlanke Jünglinge farbenfroh gemalt, besonders leuchtet das majestätische weiße Ross, auf welchem der Hl. Martin reitet.
Die Ausstellung zeigt aber auch Werke weniger bekannter Künstler in großer Zahl. Unter kenntnisreicher Führung betrachteten wir Bilder und Skulpturen zu christlich religiösen Themen, antiken Gottheiten, Porträts von Fürsten und ihren zwergenhaften Narren, Genrebilder aus dem Volksleben, Landschaften, Blumenstilleben und Allegorien der Vergänglichkeit. Das Bestreben der Künstler, bei ihren lebensgroßen und bemalten hölzernen Skulpturen der Wirklichkeit zu entsprechen, war auffallend, teilweise sogar erschreckend. Besonders beeindruckten die fünf lebensgroßen Figuren der von Gregorio Fernández und Pedro de la Cuadra geschaffenen Statuengruppe der Kreuztragung Jesu, der von der Last des Kreuzes bereits in die Knie gesunken dargestellt ist; um seinen Hals ist ein Seil gelegt, an welchem ihn einer der zwei Peiniger wie ein Zugtier voranzieht. Die Figur des Simon von Kyrene trägt das Ende des Kreuzes, während die Figur der Veronika in kunstvoll mit Blumenmotiven bemaltem Gewand sich, rückwärts gewandt, mit dem Gesichtsausdruck des Schmerzes Christus entgegenneigt. Das Schweißtuch der Veronika bewundert man als Gemälde an der nahen Wand. Es ist so plastisch gemalt, dass man versucht sein könnte, danach zu greifen.
Heitere Genreszenen entdeckt man in dem Bild Drei Musikanten von Diego Velázques, das auf die Fünf Sinne des Menschen hindeutet und einen Knaben zeigt, der mit seiner Gitarre unter dem rechten Arm den Betrachter fröhlich, mit weit geöffneten Augen anblickt, in der Linken ein gefülltes Trinkglas haltend. Der Geiger lauscht mit geöffnetem Mund dem ausdrucksvoll dargebotenen Lied des Sängers. Der mit Brot, Käse und gefülltem Kelchglas gedeckte Tisch lädt zur Stärkung der Musikanten ein, aus dem Hintergrund blickt ein kleiner Affe wie der Junge mit der Gitarre auf den Betrachter. – Das bekannte Gemälde aus der Alten Pinakothek in München Die Pastetenesser von Bartolomé Estaban Murillo (Abb.2) vereint zwei Jungen mit einem Hund in diagonalem Bildaufbau; während der eine über dem weit geöffneten Mund ein Pastetenscheibchen hält, blickt sein amüsiert und neidlos lächelnder Freund auf ihn, während der Hund das vom Appetit angespannte Gesicht auf den essenden Knaben gerichtet hat, wie in einem Lehrstück den Unterschied im Verhalten zwischen Mensch und Tier verkörpernd.
Neben den prächtigen Stillleben aus Blumen erregte ein solches aus Büchern, eine Leihgabe aus der Roydon Hall (Norfolk), geschaffen von einem unbekannten Künstler, bewunderndes Interesse wegen der Bildidee bei den Besuchern: Drei zerlesene bis zerschlissene Bücher unterschiedlichen Formats sind so wirklichkeitsnah wiedergegeben, dass man meint, die dicken Papierseiten zählen zu können. Eine Sanduhr und ein abgenutzter Federkiel im Tintenfass vervollständigen den Eindruck einer Vanitas-Darstellung.
Voller Eindrücke von der grandiosen Malerei des spanischen Goldenen Zeitalters mit der Vielfalt ihrer teils erschütternden Themen erholten wir uns bei gutem Wetter auf dem Salonschiff „Fridericus Rex“ aus den 1920er Jahren und glitten auf der sogenannten „Schlösserrundfahrt“ über den Wannsee, unter der als Schicksalsort im Geteilten Deutschland fungierenden Glieniker Brücke hindurch entlang der Ufer der Havelseen und konnten die am Wasser gelegenen Sehenswürdigkeiten zu beiden Seiten entdecken. In der Ferne erschienen im dicht bewaldeten Ufergelände die Fassaden der berühmten, von Preußens Königen und bekannten Baumeistern wie u.a. Schinkel geschaffenen Schlossbauten in der heute als Ganzes zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörenden Parklandschaft mit dem Marmorpalais im Neuen Garten, dem Schloss auf der Pfaueninsel, Schloss Babelsberg und dem Cecilienhof, wo vom 17. Juli bis 2. August 1945 die Potsdamer Konferenz der Drei Siegermächte stattfand.
Nach dem Ende der zugleich beschaulichen wie instruktiven Schifffahrt gelangten wir zur Übernachtung in das ansprechende Steigenberger Hotel Sanssouci in Potsdam, dessen zentrale Lage den Exkursionsteilnehmern die Möglichkeit bot, sich in eigener Regie am Abend die Stadt mit ihren ortstypischen historischen Quartieren zu erschließen.

Ursula Schöner

26. bis 27. April 2016 (126)
Frühjahrs-Kunstreise nach Hannover und ´s-Hertogenbosch
Von Hannover ging die Fahrt nach ´s-Hertogenbosch mit dem Ziel, die wohl wichtigste Retrospektive des 21. Jahrhunderts Jheronimus Bosch – Visionen eines Genies zu erleben, die das Nordbrabants Museum im 500. Todesjahr des um 1450 geborenen Künstlers veranstaltete.
Das Haus seines Vaters, Antonio van Aken (1420-1478), beherbergte zwischen 1462 und 1523 eine florierende Malerwerkstatt, in der außer Jeroen seine beiden Brüder, ein Onkel sowie Cousins arbeiteten. Von den Ateliergenossen unterschied sich jedoch Jeroen durch seine selbstbewusste Art, sein außergewöhnliches Talent und seine Bildsprache. Er galt als das Genie der Familie. Nach 1500, als sein Vater und seine Brüder inzwischen verstorben waren, wählte er die latinisierte Version seines Taufnamens Jeroen: Jheronimus und den Namen seines Geburtsortes als Familiennamen. Verheiratet mit Aleit van den Mervenne, Tochter wohlhabender und angesehener Eltern, erhielt er Zugang zur städtischen Elite und über die Landesgrenzen hinaus zu Kreisen des Adels. Sein gesamtes schöpferisches Leben verbrachte der Künstler jedoch am Sitz des Familienateliers im Zentrum der Stadt, wo er Aufträge für das Kapitel der Sint-Jans-Kathedrale, des größten Kirchenbaus Brabants, und von der ehrwürdigen Liebfrauenbruderschaft erhielt, in die er 1486/87 aufgenommen wurde. Erst im Laufe des 16. Jahrhunderts erlangten der Maler und seine Werke den größten Ruhm, sie wurden kopiert und sogar gefälscht, in Venedig und Spanien avancierte der Name „El Bosco“ zum künstlerisch hochrangigen Wertbegriff, während in der Heimatstadt seine Bilder jahrhundertelang in Vergessenheit gerieten. Die jetzige Ausstellung ist das Ergebnis von neun Jahren kunstwissenschaftlicher Forschung unter Anwendung modernster Techniken, geleistet vom International Bosch Research and Conservation Project,International, das ca. 25 Tafelgemälde und fast ebenso viele Handzeichnungen als authentische Werke Boschs aus der Zeit zwischen 1480 und 1516 identifizierte, während der überwiegende Teil seines OEuvres aus mindestens 60 Schaffensjahren als verloren gilt. Was der Nachwelt erhalten geblieben ist, übt eine äußerst faszinierende Wirkung aus.
In seinen Werken erleben wir Jheronimus Bosch als einen genialen Künstler, der als scharfer Beobachter in seiner höchst individuellen Bildsprache das Sichtbare realistisch, das Unsichtbare phantastisch, Tugend und Laster, Paradies und Hölle, das Natürliche und das Übernatürliche mit gleicher Intensität darzustellen weiß und damit Fürsten, Adlige und Intellektuelle in seinen Bann zog. Gedanklich hat Bosch in zwei Welten gelebt, in der Wirklichkeit seiner Lebenssphäre und im Universum seiner ausgreifenden Phantasie, in dem imaginäre Kreaturen, Erfindungen von Baummenschen und Menschenbäumen, Mischwesen und Ungeheuern begegnen. Indem er seine Visionen in Zeichnungen auf Papier und Malereien auf Holz bildlich festhielt, vereinte er spätmittelalterliche Tradition mit neuartiger künstlerischer Technik und unkonventioneller Formensprache. In seinen ideell einzigartigen Darstellungen wimmelt es von himmlischen Wesen, paradiesischen Tieren, irdischen Verführern und höllischen Teufelsgestalten, die uns als moderne Menschen in Erstaunen versetzen; von der Existenz dieser Geschöpfe war jedoch Bosch als gläubiger Mensch offenbar überzeugt. In seinen Bildern dominieren religiöse Themen: die Schöpfung der Welt, der Kampf der Erzengel um Gut und Böse, die Erschaffung des ersten Menschenpaares, der Sündenfall, das irdische Dasein mit seinen Verlockungen, der Tod und das Weltgericht, das sein Urteil zwischen himmlischem Fortleben oder Verdammnis und Untergang in der Hölle als ewiges Schicksal für den Menschen fällt. Solcherart christlicher Glaubensinhalte variierte Bosch zum Beispiel in seinem Landstreicher-Triptychon mit den Motiven Narrenschiff und Der Tod und der Geizhals, deren Botschaft meint: jeder muss als Wanderer sein Lebensziel selbst wählen. Für den Betrachter erschließen sich erst bei genauem Hinsehen unzählige Einzelheiten, die ikonologisch verschiedene Bedeutungsebenen verkörpern und Entsetzen wie Belustigung hervorrufen. Der Lebenslauf des Menschen begegnet als moralisches Thema auch auf dem Triptychon mit dem Bild des hochbeladenen Heuwagens, auf dem und um den herum sich das irdische Getümmel unter der Gestalt des auferstandenen Christus abspielt: Papst, Kaiser, König, Herzog und Menschen aus dem einfachen Volk drängen sich, um etwas Heu – als wäre es Gold – zu erhaschen. Sie nehmen Mord und Totschlag in Kauf, allein um des irdischen Besitzes willen. Der linke Flügel veranschaulicht die Schöpfung des ersten Menschenpaares im irdischen Paradies, seine Vertreibung nach dem Sündenfall und die Verwandlung der aufständischen Engel in Teufel, die, aus dem Himmel vertrieben, zur Erde hinabsteigen mussten. Für den Menschen, mit Verstand und freiem Willen begabt, lautet die Moral, dass er sich persönlich für das richtige Handeln entscheiden muss. Zu den erhaltenen Gemälden mit alttestamentlichen Bildprogrammen zählen die Darstellungen der Sintflut und des Jüngsten Gerichts sowie des Gartens der Lüste (Abb. 1), Boschs vermutlich größtformatiges Triptychon, das den Anfang der Weltgeschichte – in Grisaillemalerei – bis zum Ende der Zeiten farbig schildert: in seiner Mitteltafel das bunte menschliche Treiben mit nackten Figuren, die einträchtig miteinander und in Einklang mit der sie umgebenden Natur leben, während der rechte Flügel die Peinigung der Seelen mit ausufernder Phantasie vor Augen führt. Ein Frühwerk Boschs zeigt die Anbetung der Könige in bereits souveräner Malerei. Sehr beeindruckt waren wir alle von seinen verbildlichten Visionen vom Jenseits, die auf vier Tafeln den Weg der menschlichen Seelen nach dem Jüngsten Gericht zeigen, der entweder in die Hölle oder in den Himmel führt, einzigartig symbolisiert durch eine Art Tunnel, an dessen Ende das absolute und ewige Licht leuchtet (Abb. 2), eine von Bosch vor über 500 Jahren gestaltete, geradezu modern anmutende Vorstellung!
In Boschs Zeichnungen, im Vergleich zur Malerei direkter und spontaner obwohl als eigenständige Kunstwerke geschaffen, die von ihm als erstem niederländischen Künstler erhalten geblieben sind, tritt die Welt des Kleinen in den Vordergrund. Sie geben uns das Gefühl, dem Künstler ganz nahe zu kommen. Als Medium der Erfindung von Formen und kreatürlichen Gestalten zeigen sie uns allerlei Monster und Dämonen, aber auch Randfiguren der menschlichen Gesellschaft – Betrüger, Krüppel und Bettler –, die Boschs sorgfältige Studien der Natur und der Körperlichkeit der Lebewesen ebenso wie seine Kreativität zeigen, indem er ihnen Charakter, Geist und Zauber verleiht.
Voll großartiger Eindrücke von den Originalen besuchten wir am nächsten Tag das Jheronimus Bosch Art Center in einer ehemaligen Kirche, von der Leiterin persönlich empfangen, die uns die Zielsetzung der einzigartigen Einrichtung erläuterte: dem Beschauer originalgetreuer Kopien von Boschs Werken die Möglichkeit zu geben, Triptychen aufzuklappen, Bilder aus nächster Nähe ohne Rücksicht auf konservatorische Vorsichtsmaßgaben zu studieren und Arbeiten einiger von Boschs Schaffen inspirierter Künstler der Nachwelt zu betrachten.
In der anschließenden freien Zeit genossen wir einen Spaziergang durch die wunderschöne Altstadt von ´s-Hertogenbosch und besichtigten als weiteren kunstgeschichtlichen Höhepunkt die Sint-Jans-Kathedrale als staunenswertes Bauwerk, das die Architekturstile mehrerer Epochen seit 1220 vereint und eine Vielfalt großartiger sakraler Kunstwerke versammelt. Das mußevolle Verweilen dort verleitete uns zur Aufnahme frischer und zur Besinnung auf die zuvor empfangenen Eindrücke von großartiger Kunst.
Es war geplant, in Anknüpfung an die am Vortag besichtigte Ausstellung zum Thema der europäischen Künstlerkolonien (vgl. Bericht in der Juni-Ausgabe) auf der Rückfahrt das Museum Veluwezoom in Doorwerth zu besuchen, das Werke aus der Künstlerkolonie Oosterbeek, einer der bedeutendsten in Holland, bewahrt, jedoch anlässlich des niederländischen „Königstags“ geschlossen war. Genießen konnten wir aber die imposante Schlossanlage in einer kultivierten Landschaft.
Wir sind Herrn Prof. Wolf und Frau Dr. Wolf-Timm zu großem Dank verpflichtet, die uns dieses außergewöhnliche Kunsterlebnis ermöglicht und uns während der Fahrt so vortrefflich auf das Genie Jheronimus Bosch eingestimmt haben. Und wir wiederholen den Dank an das Team von Möller´s Reisedient, mit seinem Fahrer Herrn Seyfert, die den äußeren Ablauf der Reise organisiert und durchgeführt haben.

Elisabeth Prang

7. bis 8. Januar 2016 (125)
Neujahrskunstreise nach Hannover, Frankfurt, Bonn und Düsseldorf
Die wieder von Herrn Prof. Wolf und Frau Dr. Telse Wolf-Timm vorbereitete traditionelle Neujahrsexkursion führte am 7. und 8. Januar 33 Kunstfreunde im Bus von Möllers Reisedienst nach Hannover, Frankfurt, Bonn und Düsseldorf. Während uns Herr Schröter durch die sonnige Schneelandschaft Niedersachsens fuhr, bereitete uns Herr Prof. Wolf durch einschlägige Lektüre auf die Ausstellung Madonna: Frau – Mutter - Kultfigur im Niedersächsischen Landesmuseum Hannover vor. Sie präsentiert in vielerlei Bildwerken eine Entwicklung von der Muttergöttin zur Gottesmutter und letztlich zur Mutter und Frau in der modernen Zeit. Wir betrachteten in der Ausstellung Isisstatuetten mit Kuhgehörn und Sonnenscheibe auf dem Kopf, auf dem Schoß den Horusknaben säugend, ferner eine Statue der vielbrüstigen Artemis aus Ephesos und ein Gemälde der Aphrodite mit dem Erosknaben. Auf diese Darstellungen von Muttergottheiten aus archaischen Hochkulturen und der Antike folgten Madonnen, in romanischer Zeit aus einem einzigen Holzstamm geschnitzt und Holzskulpturen aus späteren Jahrhunderten von großer Kunst und Schönheit, ferner eine Fülle von gemalten und graphischen Bildern zum Thema des Marienlebens, darunter die berühmten Holzschnitte von Dürer. Voll Bewunderung standen wir vor den Darstellungen der Maria als Gottesmutter in Gemälden aus neuzeitlichen Jahrhunderten – von Raphael, Cranach, Battista, Rubens, Overbeck, Ellenrieder, Schadow und Nolde. In Anlehnung an diese Werke zeigt die Ausstellung Bildnisse von Mutter und Kind, geschaffen von Lehmbruck und Modersohn-Becker. Erschütternd war der Anblick der großen Skulpturen von Käthe Kollwitz Mutter mit totem Kind, Mutter mit zwei Kindern und ihre Pieta. Als Beispiel für die moderne Zeit konnte eine großformatige Fotografie von Julia Krahn gelten mit dem Titel Mutter; sie zeigt eine Frau, die ein leeres Tuch in beiden Händen hält, als ob ein Kind darin läge.
In Frankfurt erwartete uns die Jubiläumsausstellung zum 200jährigen Geburtstag des Städel Museums, mit dem Titel Dialog der Meisterwerke. In dieser Schau waren herausragende Werke aus allen Abteilungen des eigenen Hauses mit prominenten, thematisch und stilistisch verwandten oder konträren Bildern als Leihgaben namhafter Museen in Europa und den USA konfrontiert, wie z.B. das Weibliche Idealbildnis von Botticelli, mit den perlenbesetzten Zöpfen und der antiken Gemme, das man neben das Bildnis einer jungen Frau gehängt hatte, die ihr volles rotes Haar frisiert – es stammt von Dante Gabriel Rossetti aus dem 19. Jahrhundert. Zwei Gemälde von van Eyck wurden gleichfalls nebeneinander präsentiert: das eine zeigt die das Christuskind stillende Madonna im großen roten, mit Perlenband gesäumten Gewand unter einem Baldachin, das andere eine Verkündigungsszene, in der Maria schlicht und mädchenhaft wirkt neben dem Engel in kostbarem Brokatumhang. Max Liebermanns um 1876 entstandenes Gemälde des Amsterdamer Waisenhauses konnten wir in der Gegenüberstellung mit seinem um 1881 gemalten Werk desselben Themas vergleichen. – Nach der einstündigen Führung blieb Zeit, sich in wunderbare Werke von Vermeer, Poussin, Rembrandt, Böcklin, Degas, Marc, Picasso und anderen bedeutenden Künstlern zu vertiefen.
Ein besonderes Highlight des späteren Abends bot uns die wahlweise in der bis 22 Uhr geöffneten Schirn-Kunsthalle zu besichtigende Ausstellung Sturm-Frauen. Künstlerinnen der Avantgarde in Berlin 1910-1932, deren Erlebnis sich etliche Exkursionsteilnehmer nicht entgehen ließen. Der Ausdruck „Sturm“ bezeichnete das Signal zum Aufbruch in die moderne Kunst und den Versuch, die internationale Avantgarde zu einen. Ursprünglich als Titel einer 1910 gegründeten Zeitschrift zur Förderung der expressionistischen Kunst gewählt, avancierte der Begriff schnell zum Markenzeichen für kulturellen Austausch von Literaten, Musikern und bildenden Künstlern bis über die Grenzen Deutschlands hinaus. Als Devise galt, sich gegen die bürgerlich konservative Kunstauffassung zu stellen. Der engagierte Förderer der Bewegung, Herwarth Walden, Herausgeber des Sturm benannten Magazins, rief die Sturm-Akademie,, Sturm-Abende, eine Sturm-Bühne und die Sturm-Galerie ins Leben und wurde so zu einem Vorkämpfer für die moderne Kunst in Europa. Unter den sich der Sturm-Initiative anschließenden bildenden Künstlern wie u.a. Chagall, Marc, Kandinsky und Klee waren mehr als 30 Frauen, ungewöhnlich viele für die damalige Zeit. Einige von ihnen sind heute anerkannte Künstlerinnen, viele andere nur wenigen Fachleuten bekannt oder gar weitgehend vergessen. Dass die Zahl der Sturm-Frauen so hoch ist, lag auch darin begründet, dass Waldens Kunstauffassung Emotion und Intuition propagierte, das Unverfälschte und Unbewusste in der Kunst suchte und mehr auf das Werk als auf den Künstler schaute. Und so war es für ihn selbstverständlicher Grundsatz, Künstlerinnen wie Künstler gleichermaßen zu fördern. Die als verdienstvolles Projekt erstmals veranstaltete Ausstellung vereint rund 280 Arbeiten, die insgesamt 18 Künstlerinnen geschaffen haben, von denen einige genannt seien, die in ihrer Art Hervorragendes geleistet haben und für die Vielgestaltigkeit der damaligen Kunstrichtungen stehen, wie z.B. Else Lasker-Schüler, erste Ehefrau Herwarth Waldens, die den Zeitschriftentitel Der Sturm ersann; Marianne von Werefkin, Mitbegründerin zahlreicher Künstlergruppen und Vorreiterin des Blauen Reiter; Nell Walden, zweite Ehefrau, die als aktive Künstlerin, Journalistin, Übersetzerin und Kunstsammlerin zur internationalen Verbreitung der Sturm-Idee beitrug; Natalja Gontscharowa, sie verarbeitete als prominente Vertreterin der Moskauer Avantgarde vielfach Motive russischer Foklore und Handwerkskunst; Sonia Delaunay zeichnete sich durch leuchtende Stoffentwürfe mit kontrastreichem Kolorit aus; Jacoba van Heemskerck, Gestalterin mehrerer Titelblätter des Magazins Sturm, löste im Sinne des Kubismus konkrete Formen auf; Magda Langenstraß-Uhlig illustrierte in expressiver Formensprache und mit Farbkontrasten die seelische Befindlichkeit der traumatisierten Generation nach dem Ersten Weltkrieg; Hilla von Rebay gestaltete früh ungegenständliche Arbeiten und wirkte, ab 1927 in New York ansässig, als langjährige Beraterin Guggenheims an der Konzeption des berühmten Guggenheimmuseum mit; Sigrid Hjertén, als schwedische Künstlerin in der 1915 von der Sturm-Galerie veranstalteten Ausstellung Schwedische Expressionisten vertreten, warb in ihrer modernen Malerei für ein neues Frauenbild; Lavinia Schulz gestaltete Ganzkörperkostüme und entwickelte die Choreographie für erfolgreiche Tanzperformence-Aufführungen; Alexandra Exter schuf die Bildwelten und Kostüme für die im Film „Aelita“ agierenden Marsbewohner und faszinierte mit ihrem futuristischen Stil als junge Russin den Mentor Walden, bevor die Sturm-Galerie 1932 aufgelöst wurde. – Wir fühlten uns bereichert, dass wir einen großen Teil des lange vergessenen, aus der Verborgenheit unter umsichtigen Recherchen gehobenen Schatzes der Sturm-Frauen – Kunst kennenlernen und erleben konnten.
Wer wollte, konnte in der Schirn Kunsthalle die auch erstmals gezeigte Serie von ca. 30 Arbeiten aus der jüngsten Schaffensperiode des zu den bedeutendsten Künstlern der Gegenwart in Deutschland zählenden Daniel Richter betrachten, worin er mit dem, was in seiner Malerei bislang vertraut schien, vorsätzlich bricht. Das Arbeiten gegen die eigene Routine hat faszinierende großformatige Gemälde hervorgebracht, die nicht nur einen Wandel, sondern eine fundamentale Weiterentwicklung im Schaffen des Künstlers vor Augen führen.
Während uns Herr Prof. Wolf durch einschlägige Fachlektüre vorbereitete, fuhren wir am nächsten Morgen vom vertrauten Frankfurter Wyndham Grand Hotel nach Bonn, um in der Bundeskunsthalle die groß angelegte Schau Japans Liebe zum Impressionismus – von Monet bis Renoir zu besichtigen. Diese Ausstellung zeigte uns, dass nicht nur japanische Druckgrafik in Europa hoch geschätzt und zum Teil von Impressionisten nachgestaltet worden ist, sondern dass auch die Japaner Werke vornehmlich des französischen Impressionismus aufmerksam zur Kenntnis nahmen und sogar japanische Künstler begannen, in diesem Stil zu malen. Einige von ihnen reisten nach Paris und ließen sich beispielsweise von Renoir oder anderen Impressionisten unterrichten und besuchten Monet in Giverny. Begüterte japanische Unternehmer legten große Gemäldesammlungen westeuropäischer Kunst der impressionistischen Stilrichtung an und bauten darauf vielerorts spezialisierte Museen auf. In dieser thematisch originellen Ausstellung konnten wir nun zum allerersten Mal in Deutschland präsentierte Werke der Malerei z.B. von Corot, Manet, Monet, Seurat, Pissarro, van Gogh, Degas, Morisot sowie Skulpturen von Rodin als Leihgaben aus japanischen Museen bewundern und, unmittelbar daneben ausgestellt, Gemälde japanischer Künstler im Impressionisten-Stil. Aber auch japanische Holzschnitte von feinster Linienführung und Farbgebung, mit weiblichen Figuren in Reifröcken als Europäerinnen gekennzeichnet, nahmen wir, eingehend und kenntnisreich geführt, in Augenschein.
Im Düsseldorfer Museum Kunstpalast wurden Prof. Wolf und unser Kunstverein persönlich mit einer kurzen, die Idee der Ausstellung erläuternden Rede begrüßt von dem Generaldirektor, Beat Wismer, bevor wir die erlesene, unter der Schirmherrschaft S. M. König Felipe VI. von Spanien und von Bundespräsident Gauk veranstaltete Schau Zurbarán – Meister des Details besichtigten. Sie versammelt Werke des spanischen Malers Francisco de Zurbarán (1598-1664), Zeitgenosse von Velázquez, als Leihgaben aus Kirchen und Klöstern in Spanien sowie Museen in Kuba, Mexico, den USA und aus privaten Sammlungen. Hoch engagierte und kompetente Kunsthistoriker-Führungen erschlossen uns die Bedeutung der großformatigen Gemälde mit Darstellungen von Madonnen, Heiligen, Kirchenfürsten und Mönchen, aber auch Gestalten der griechischen Mythologie. Wir staunten über die hohe Kunst der Gewandmalerei mit ihrer minutiösen Wiedergabe von Stoffen, Stickereien, des Faltenwurfs, der metallenen Agraffen und über die eindringliche Erfassung von Mimik und Gesichtsausdruck in den Bildnissen von Personen – da schaut ein heiliger König liebevoll auf das Jesuskind – oder in den biblischen und hagiographischen Figuren. Die fein gearbeiteten Stillleben des Künstlersohns Juan de Zurbarán, Gemälde von leuchtenden Früchte in Körben oder auf metallenen Tellern, oder zarter Blüten in hauchdünnen Gläsern, rundeten das beglückende Erlebnis dieser Ausstellung ab. Abends brachte uns Herr Schröter sicher wieder nach Norden. Herr Prof. Wolf hielt ihm eine Lob- und Dankesrede. Auch dem Ehepaar Wolf wurde herzlich gedankt für alle Organisation und eingehende Vorbereitung auf die einzelnen Ausstellungsbesuche. Wir freuen uns schon auf die nächste Kunstreise.

Ursula Schöner und Elisabeth Prang

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